Fondsgebundene

Quo vadis, Fondsgebundene?

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Die aktuelle Niedrigstzinslandschaft und die Aussicht, dass sich daran in nächster Zeit so schnell nichts ändern dürfte, macht es dem Vorsorgen mittels Lebensversicherung nicht leicht.
Von Mag. Manfred Kainz

„Klassische“ Lebensversicherungsprodukte, die auf festverzinsliche Anlagen setzen, würden und werden aufgrund der absehbaren Zinslandschaft keine ausreichend hohe Rendite erzielen, so die Warnung von Marktbeobachtern und Vorsorgeplayern. Somit werden Alternativen sicher stärker gesucht werden. Und das sei „Rückenwind“ für Fondsgebundene Lebensversicherungen (FLV). Neben dem Renditeanspruch gebe es aber gleichzeitig auch noch einen zweiten Vorsorgekundenwunsch, nämlich: Die Anleger wollen der Volatilität der Kapitalmärkte „aus dem Weg gehen“, also die Schwankungen in ihren Portfolios möglichst gering halten. FLV-Anbieter wie Standard Life bieten daher, so Oliver Höflich, „Multi Asset“-Polizzen an, damit Vorsorger nicht nur von einer Assetklasse abhängig sind. Empfohlen wird, dass Kunden in einem ersten Schritt mit ihrem Berater festlegen, was ihre individuelle Risikoneigung ist. Auf Basis einer solchen „Risikoeinstufung“ könne man dann Fonds mit unterschiedlichen Risikoabstufungen bzw. Risikoklassen auswählen. Standard Life hat fünf Risikoabstufungen: „Defensiv“, „Substanz“ „Balance“, „Chance“ und „Chance plus“. Ab „Balance“ kann der Vorsorger entscheiden, wie viel mehr Schwankung er „aushalten“ will. Die unterschiedlichen „Volatilitätsbandbreiten bzw. -korridore“ müssen dann die Fonds managen. „Defensiv“ heißt aber heute nicht mehr nur Staatsanleihen. Heutzutage gehören auch bei defensiven Fonds Unternehmensanleihen, indexabbildende kostengünstigere ETFs, Absolute Return, und – wenn auch als relativ geringer Anteil – Aktien dazu.

Gewichtung statt Garantie

Das Geheimnis für Rendite sei, dass heute alle breit gestreut anlegen müssten, nur die Gewichtung sei unterschiedlich. Denn diese solle sich stark nach der individuellen Risikoneigung und dem Risikowunsch des Anlegers richten. Deshalb sind „aktiv gemanagte Multi Asset Portfoliolösungen“ sehr beliebt. Gewichtung und Risikoneigung hängen aber auch stark mit dem Anlagehorizont, also der Laufzeit zusammen. Bei kurzen Laufzeiten macht eine eher defensive Ausrichtung wohl Sinn. Bei längeren Laufzeiten ist mehr Risikogewichtung drin. „Multi Asset Produkte“ können auf Grund ihrer breiten (Markt-) Streuung die Risiken besser „abfedern“ und man ist nicht von einer oder wenigen Assetklassen abhängig. Standard Life bietet keine Garantieprodukte mehr an, denn – geringe – Garantien würden nur in ganz wenigen Fällen überhaupt zum Tragen kommen aber verursachen hohe Kosten bei klassischen Produkten. Man müsse heute „vom langen Ende kommen um die Vorsorgelücke zu schließen“. Dazu müsse man stabile Performance generieren und ausreichend hohe Renditen erwirtschaften. Und ohne regelmäßiges „Switchen“ während der Laufzeit, Fondswechsel je nach Kapitalmarktlage, wird es wohl auch nicht gehen.

Auch die Nürnberger ist auf die individuelle Risikoneigung des Anlegers ausgerichtet, mit dem Fondsspektrum von sehr konservativen Strategien über ausgewogene Konzepte bis zu sehr dynamischen Veranlagungen. Aber nicht nur der Umgang mit dem Thema Ertrag und Risiko habe sich gewandelt, sondern auch die Stellung der FLV in der Vorsorgeplanung insgesamt: Wurde die FLV noch vor einigen Jahren häufig als „Stand-alone-Produkt“ und sehr stark unter dem Wunsch der Ertragsoptimierung abgeschlossen, so werden laut Nürnberger-Vorstandsvorsitzendem Kurt Molterer inzwischen Fondspolizzen als Instrumente für den Kapitalaufbau gesehen, die um weitere Vorsorgebausteine für die Absicherung von biometrischen Risiken wie Berufsunfähigkeit oder Pflege ergänzt werden.

Steueranreiz

Angesichts der aktuellen Tiefzinssituation, deren Ende schwer abzusehen ist, stelle die FLV nach wie vor eine attraktive Alternative zur klassischen LV sowie zu Direktinvestments bei heimischen Banken dar, so Andreas Bayerle, Vorstand für Finanzen & Leben von Helvetia Österreich. Die Produkte der FLV bieten die Möglichkeit, in eine breite Auswahl an Fonds zu investieren und damit attraktive Renditen zu generieren. Dies sei „entgegen der weit verbreiteten Meinung für den Kunden nicht zwingend mit mehr Risiko und einem hohen Aktienanteil verbunden“, da er seine Asset Allocation frei wählen könne. Auch entsprechen die fondsgebundenen Lösungen dem Wunsch vieler Sparer nach mehr Flexibilität, indem sie sich an das individuelle Risikoprofil sowie veränderte Lebens- aber auch Kapitalmarktumstände anpassen lassen. Bayerle nennt noch ein schlagendes Argument: Die FLV biete steuerliche Anreize, da die Wertpapier-KESt entfällt und somit alle erwirtschafteten Erträge zu 100 % steuerfrei sind.